Patrizia Casagrandas Arbeiten sind ausdrucksstarke Symbiosen aus...

Patrizia Casagrandas Arbeiten sind ausdrucksstarke Symbiosen aus Malerei, Collage und Graffiti. In ihrer Porträtserie „Göttinnen und Prinzessinnen“ schafft sie bezaubernde Welten antiker Märchen und Gedichte. Um diesen besonderen Stil zu kreieren, bezieht sie gezielt den Alterungsprozess in die Entstehung ihrer Werke mit ein.

Zeitgenössische Schönheiten werden auf antike Mauern projiziert, sie zerfallen,
bröckeln ab, werden zerstört. Sie nimmt zeitlose, bedeutungsvolle Symbole aus den Märchen, Gedichten und der Lyrik.

In einer Zeit der zunehmend digitalen Kunst setzt sie auf eine greifbare Materialität, auf interkulturelle, zeitlose Symbole aus der Traum- und Mythenwelt, Schicht um Schicht offenbaren die Gemälde dem Betrachter verwittertes Metall, gerissenes und vergilbtes Papier und Strukturen, die an abbröckelnden Putz erinnern, an antike Mauern aus Pompeji. So erweisen sie sich zugleich als Reflektionen über die schnelllebige Medienwelt mit ihren scheinbar täglich wechselnden Werbekampagnen und Schönheitsidealen.

Am Anfang stehen als Motiv das Gesicht einer Frau und die kreative Lust von
Patrizia Casagranda, im Tun die unterschiedlichsten Materialien zu erforschen.

Patrizia Casagranda überrascht mit ungewöhnlichen Portraits. Die Anmut der
gezeigten Köpfe lockt das Auge. Wer könnte sich schon der einnehmenden
Schönheit weiblicher Züge entziehen?

Inszeniert wird bewusst eine gebrochene Ästhetik, die auch Schrift einbezieht. Ein markiges Relief aus Wellen, Furchen, Mörtel und Noppen, so scheint es, mischt die Oberfläche der Bilder auf. Gesichter konkretisieren sich erst unter dem aufmerksamen Blick und manchmal erst aus der Distanz einiger Meter. Sie setzen sich abstrahiert aus einer Vielzahl vorstehender Punkte zusammen, um akzentuiert und farblich verfremdet etwa in Rot, Pink, Blau und Violett aufzuscheinen.

Schicht für Schicht = Kunst
Aufregend ist das, was die Künstlerin mit dem Material anstellt in ihren wilden
Collagen, die nur durch den Liebreiz der weiblichen Erscheinung gebändigt werden. Bis zu 15 Schichten weist ein Bildwerk auf. Über dem Bildgrund aus Holz bringt sie wechselweise Pappe, Farbe, Papiere und Jute auf. Stoffe, teils mit der Geschichte getragener Kleidung, finden Eingang. Die Elemente machen durchweg einen gealterten, benutzten, verbrauchten Eindruck. Denn Patrizia Casagranda setzt ihnen zu. Es wird gemalt, überklebt, mit Farbe bedeckt oder beschüttet und neues Material aufgebracht.
Gips zählt dazu, der, ausgebildet zum Raster, die Gesichter zum Vorschein bringt. Ebenso reißt Casagranda Teile ab, flämmt, attackiert schlichtweg ihr Werk. In den jüngsten Arbeiten verschont sie davon nicht einmal die Frauen. ein ständiger Wandel kennzeichnet den Arbeitsprozess, teils gesteuert durch gezielte Aktion und motivgebende Schablonen, teils in seiner Komplexität den Zufall mit einbeziehend.

Portrait und Schrift
Casagrandas Werke faszinieren durch greifbare Materialität – selten geworden in einer Zeit der zunehmend digitaler Kunst. Diese Bildern kann man durchwandern und sich in ihnen verlieren. Außer dem haptischen Gepräge reizen die vielschichtige Verschränkung von Portrait und Schrift, der vermeintliche Gegensatz zwischen den oft in die Ferne oder durch den Betrachter hindurch blickenden schönen jungen Frauen und ihrem herben Umfeld. Es berührt seltsam, aber gerade in ihrem Beschädigtsein üben sie Anziehung aus. Schönheit und Vergänglichkeit symbolisieren in diesen ungewöhnlichen Portraits das Leben und seine Zumutungen.

Hommage an das Geschlecht
Casagranda liegen die Frauen der Welt am Herzen, weswegen sie in den Konterfeis jeweils mehrere Frauenköpfe zu einem einzigen, jedoch überindividuellen Wesen verschmilzt. Oft sind es die Frauen, die in schwierigen Lebenssituationen, gerade in den Notgebieten der Erde, ihre Familien zusammenhalten. Frauen verharren aber auch oft passiv. Deswegen kommen die Portraits einerseits einer Hommage gleich, enthalten aber zugleich den Appell Frauen werdet aktiv und nehmt euer Schicksal in die Hand.

Liebe und Frieden
Einige der gezeigten Werke beschäftigen sich im weitesten Sinne mit Religion. Es sind sechs Portraits von Frauen verschiedener Weltreligionen und Kulturen. Die Zahl ‚6‘ steht in der Mythologie für Liebe und Frieden. Die Künstlerin will das Verbindende und die gemeinsamen Wertevorstellungen von Liebe und Frieden in den Religionen Buddhismus, Shinto, Christentum, Islam, Judentum und Hinduismus betonen.
Eingearbeitet in die Bildhintergründe hat die Künstlerin als typografisches Fragment ein Gedicht, das ein Poet eigens für diese Serie geschrieben und ihr gewidmet hat.

Zur Person Patrizia Casagranda
Die Deutsch-Italienerin Patrizia Casagranda wurde 1979 in Stuttgart geboren und lebt in Krefeld. Sie schloss 2002 ihr Design-Studium an der FH Niederrhein mit Auszeichnung ab und besuchte die Malakademien in Stuttgart, Ravensburg und Trier. Nach wechselnden Tätigkeiten im Design-Bereich arbeitet sie seit 2015 als freischaffende Künstlerin. Innerhalb kurzer Zeit begeistert sie mit zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland ihr Publikum.

Ohne Titel

Mixed Media Collage
signiert
120 x 80 cm

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Ohne Titel

Mixed Media Collage
signiert
100 x 60 cm

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